Das Buch

Die Bibliothek ist eines der sieben Weltwunder der Nachhaltigkeit und damit auch das Buch (Alan Durning). Mithin ist das Buch, das gute alte Buch, der Nachhaltigkeitskern des gesamten Projekts. Es steht am Ende der Wertschöpfungskette und gleichsam im Mittelpunkt. Das Buch ist Träger von Wissen, Geschichten und Geschichte, Ideen und Gedanken. Es kann immer und wieder gelesen werden, vergleichbar einer erneuerbaren Energie. Den Zugang zum Buch verschaffen u. a. die Bibliotheken und dann muss es nur noch gelesen oder vorgelesen werden. Das Buch benötigt keine Energie, außer die Energie zu Lesen – und natürlich zum Schreiben. Einen weiteren Aspekt der Nachhaltigkeit haben wir in dem Projekt aufgegriffen: die kostenlose, dezentrale Weitergabe von Büchern in zivilgesellschaftlicher Verantwortung und die Bewahrung der Bücher vor der Entsorgung. In der Straßenbibliothek an der Ecke bleibt das Buch sichtbar und Teil des kollektiven Bewusstseins. Indem die Bücher unkompliziert getauscht werden wird ein uraltes Grundprinzip der Nachhaltigkeit erkennbar: die Einfachheit. Das theoretische Konzept einer neuen Ökonomie des Teilens wird erfahrbar und übertragbar auf andere Bereiche des Lebens und der Wirtschaft.

Mit dem Anwachsen der elektronischen Medien, dem Aufkommen von E-Books und dem Verlust an Lesekompetenz gerät das Buch kulturell und ökonomisch unter Druck, obwohl pro Jahr ca. 60 Tsd. Neuerscheinungen auf den Markt kommen. Gleichzeitig verschwinden klassische, beratungsintensive Buchhandlungen zugunsten von Amazon, Stadtbüchereien und Bücherbusse müssen um ihr überleben kämpfen.

Die FAZ hat 2017 von einer "Krise des Lesens" gesprochen. Vor allem junge Menschen wachsen immer mehr ohne Bücher auf, für sie spielt Literatur keine prägende Rolle mehr. Wer auch immer die Schuld an diesem Dilemma hat, die Literatur und das literarische Erbe spielen offenbar keine Rolle mehr für die Deutung individueller Lebenserfahrung und gesellschaftlicher Entwicklungen.

Zugleich verzeichnen wir in diesen Jahren das Phänomen einer wachsenden Alt-Bücherschwemme: Die Kinder wissen nicht wohin mit den Büchern und Bibliotheken ihrer Eltern. Vielfach landen diese Bücher bei Wohnugsauflösungen in der Entsorgung. Die BücherboXXen erfüllen mithin auch eine Funktion der Umverteilung und der Bewahrung der Bücher vor der Vernichtung.

In dem Projekt „Nachhaltige BücherboXX“ verbinden wir nun das Buch als den traditionellen und nach wie vor wichtigsten Kuturträger mit „Beruflicher Bildung“. Konrad Kutt erläutert in seinem Beitrag „Kulturelle Bildung für nachhaltige Entwicklung als Querschnittsaufgabe beruflicher Bildung“ Begründungen und Herausforderungen zu diesem Thema. In: Kulturelle Bildung. Nr. 09, 2012 (BKJ)