Bibliotheken

BücherboXX

INBAK hat sich um den IFLA Greeen Library Award 2017 (gesponsert von De Gruyter) beworben ein steigt damit in die Diskussion um die Nachhaltige Bibliothek mit ein. Eine Präsentation mit 30 Charts findet sich unter diesem Link:

https://buecherboxx.files.wordpress.com/2017/05/20170529_kk_von-der-staatsbibliothek-zur-straszenbibliothek3.pdf

Zusammenfassende Argumente  (Englisch version:Sustainable BookboXX)

Eine andere Bibliothek ist denkbar: Staatsbibliothek, Universitätsbibliothek, Schul-Bibliothek, die häusliche Bibliothek. Und nun noch: Die „Nachhaltige Straßenbibliothek“

Die Bibliothek ist eines von sieben Weltwundern der Nachhaltigkeit, (Alan Durning). “Von der Staatsbibliothek zur Straßenbibliothek” hat Konrad Kutt einen Essay in den “Marginalien” (2017) verfasst, kurz nachdem von ihm die “Nachhaltige BücherboXX” als umgebaute Telefonzelle entwickelt wurde. Zwei Hauptlinien kennzeichnen ihre ökologische, soziale und kulturelle Seite der Nachhaltigkeit.

In einem ersten Schritt arbeiten Auszubildende mehrerer Berufe an der Umnutzung der Telefonzelle. Sie lernen in einem berufsübergreifendes Projekt der Bildung für nachhaltige Entwicklung, wie eine neue Bibliothek entsteht, wie aus dem altmodischen Telefonieren in einem extra Häuschen, das die meisten der Schüler gar nicht mehr kennen, ein neuer Ort der Kommunikation mit Büchern entsteht. Für die Smartphone-Generation ein eher ungewöhnlicher Ort. Umnutzung, Recycling, Holz für die Regale aus heimischen Anbau, lösemittelfreie Farben und eine Solaranlage als Zeichen der Energiewende. Schließlich das passende Design, das etwas mit dem Aufstellort, mit Büchern und Nachhaltigkeit zu tun haben soll.

Beispiel “Mahnmal Gleis 17”: Dort ist eine Nachhaltige Bibliothek mit Büchern zu diesem schrecklichen Teil der Geschichte entstanden: Lesen und Verstehen heißt hier das Motto in Deutsch und Hebräisch.

Beispiel Oder-Partnerschaft: Die in deutsch-polnischer Zusammenarbeit entstandene BücherboXX ist mit Buchweisheiten beschriftet, wie z. B. “Du öffnest ein Buch und es öffnet Dich” oder “Am Anfang war das Wort”. Man kann sie als eine deutsch-polnische Bibliothek bezeichnen, die entlang der Oder von Stettin (aktuell) bis nach Wroclaw wandert.

Beispiel Europa: Die BücherboXX Europa - “wirbt” für ein nachhaltiges Europa und für die literarische Vielfalt in Europa. Bücher verbinden Europa. Sie wandert von Europa-Schule zu Europa-Schule.

In einem zweiten Schritt - Nutzung der BücherboXX - ist die Zivilgesellschaft gefragt. Die Bibliothek an der Straßenecke ist in mehrfacher Hinsicht nachhaltig. Sie folgt dem Prinzip
Bring ein Buch, nimm ein Buch, lies Buch. Die Hauptkriterien sind: Einfachheit, unkomplizierter, niederschwelliger Zugang (Access), Übernahme von Verantwortung, soziale Teilhabe, weil man auch ohne Geld in den Genuss eines Buches kommen kann. Eine neue Ökonomie des Tauschens und bedingungslosen Teilens und Schenkens ist entstanden und wird am Beispiel des Buches praktiziert. Ein Buch verbraucht - außer bei der Herstellung - keine Energie. Die in ihm steckende Energie wird immer wieder neu genutzt.

Wenn häusliche Bibliothen altersbedingt aufgelöst werden, wenn Stadtbüchereien Bücher aussortieren (müssen), landen sie nicht selten als Papiermüll in Verbrennungsanlagen. Mit der BücherboXX auf der Straße entsteht ein neuer, nachhaltiger, selbstorganisierter Verteilerkreis - nicht mit der gewohnten Ordnung einer Stadtbücherei, sondern durch das Prinzip des Zufalls. In der Umkehrung von “Suchet, so werdet ihr finden” muss es heissen “findet, ohne zu suchen”.

Zwanzig Nachhaltige BücherboXXen in Berlin sind ein Medium zum besseren Verstehen von Nachhaltigkeit (global denken, lokal handeln), sie setzen Maßstäbe für eine ergänzende Popularisierung des Bibliothekswesens, Bücher sind sichtbarer Teil der Straße und mahnen “wir verschwinden noch lange nicht”.

Bibliotheken

Bibliotheken sind eines der von Alan Durning bezeichneten sieben Weltwunde der Nachhaltigkeit. Ihr soziales Geschäftsmodell besteht darin, Bücher z.  T. gegen Bezahlung an Berechtigte zu verleihen. Büchereien stehen unter Druck. Noch vor 20 Jahren gab es in Berlin 200 Stadtbüchereien, heute (2017) sind es nur noch 85. Das Personal wurde in den letzten zehn Jahren von 1000 auf 700 Beschäftigte reduziert. Einige haben tatsächlich befürchtet, die Straßenbibliothek könnte zur Konkurrenz werden, ihnen die Leser abwerben.

Aber:  je mehr Gelegenheit zum Lesen geschaffen wird, desto mehr Nachfrage gibt es in Büchereien (und auch im Buchhandel).
Im Übrigen gibt es ungeahnte Synergieeffekte und Verabredungen:

- Wo landen die systematisch makulierten Bücher der Büchereien? Antwort:
In der BücherboXX (s. Bild). 

 

- Alte historische Kinderbücher bekommt von uns die Staatsbibliothek zum Aufbau einer Forschungsabteilung "Kinderbücher in den Jahrhunderten".
- Lesungen werden gemeinsam gestaltet.

"Von der Staatsbibliothek zur Straßenbibliothek" ist der Titel eines Beitrages von Konrad Kutt in "Marginalien" Heft 205, 2012 (Pirckheimer Gesellschaft). Beitrag Marginalien

Runder Tisch "Neue Wege für die Bibliotheken"Die Diskussion um die Zukunft der Bibliotheken ist im vollen Gange. Die Nachhaltige BücherboXX wird als Strassenbiliothek in diese Diskussion immer mehr wahrgenommen,  so geschehen  beispielsweise in der vom Deutsche Städte- und Gemeindebund geführten Diskussionsrunde "Neue Bibliotheken braucht das Land" am 2. Juli 2014  (Foto). Franz-Reinhard Habbel: "Beachtung fand in dieser Diskussion auch das von Konrad Kutt eingebrachte Modell der nachhaltigen und kommunikativen Straßenbibliotheken" (s Beitrag Habbel). Habbel Bibliotheks-Diskussion

An der Fachhochschule Potsdam wurde bei Professor Hobohm eine bibliothekswissenschaftliche Bachelor-Arbeit mit der Frage geschrieben, ob Bookcrossing und BücherboXXen neue Formen der Bibliotheken sind.

Hier ist die Präsentation zur Bachelorarbeit von Andrea Gärtner als PDF (960 kB).

Bibliotheken schaffen Wissen. Sie sind der Ort der Verbreitung von Wissen. Die von der Zivilgesellschaft betreute und gepflegte BücherboXX kann somit als Beispiel einer "Citizen Science" gesehen werden. Siehe den Beitrag CitizenScience_EineBegruendung_KonradKutt

Der Kongress der Wirtschaftswoche "Zukunft-Stadt-Kommune" am 27. 11. 2014 befasste sich auch mit der Zukunft der Büchereien. Die BücherboXX wurde während des Kongresses ausgestellt. Konrad Kutt schrieb in der Sonderververöffentlichung "WirtschaftsWoche Journal" über "Die BücherboXX als kommunaler Ermöglichungsraum" und Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, war begeistert (Foto) und brachte die Idee in ihr Bundesland mit.