Stettiner Schloß der Pommernherzoge

Anmerkungen zur BiblioboXX Oder-Partnerschaft im Schloss von Stettin 

am 21. 4. 2017 – von Konrad Kutt

Berlin pozdrawia Szczecin

Sedecznie Witamy

Jetzt steht die BücherboXX im Hof des Schlosses der Pommerschen Prinzen  in Stettin. Für 6 Wochen, vielleicht etwas länger. Welch ein wunderbares Ambiente. 

Welche Weitsicht von Wioleta Stoka,der Chefin des Schlosses, dass sie schon früh erkannte, wie sich Alt und Jung in diesem Hof vertragen.

Was wir sehen: Das ist ein technisches, begehbares praktisches Gesamtkunstwerk. Eine kleine Bibliothek, hergestellt aus einer alten deutschen Telefonzelle, erarbeitet von Schülerinnen und Schülern aus Berlin, Breslau und Stettin. Sie haben sich zu mehreren Workshops in Berlin getroffen. Sie erlernen verschiedene Berufen: Designerinnen, Farbtechnik, Metalltechnik Tischler, Solartechnik. 

Gefördert wurde das Projekt von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa in Berlin als ein Beitrag für mehr Kooperation und Austausch innerhalb der Oder-Partnerschaft, zwischen Deutschland und Polen.

Auch Lehrerinnen und Lehrer haben sich mehrfach getroffen, fachlich, persönlich und kulturell ausgetauscht. Wir können sagen, es sind Freundschaften entstanden. Alle haben sich unglaublich für dieses Projekt engagiert, allen voran die Schule 2 aus Stettin und dort wiederum war es Agnieszka Raducka, die ganz, ganz viel für das Projekt gemacht hat.

Und nun steht die BiblioboXX im Schloss von Stettin. Kein Denkmal im klassischen Sinne - sondern als ein Gegenstand zum Gebrauch für jedermann mit der Aufforderung: Bring ein Buch, nimm ein Buch, lies ein Buch. Und:  Denk mal!! Eine kleine Schlosssbibliothek als Denk-Mal: für den Erhalt und die Wiederverwertung der Dinge, für den freien Tausch von Büchern, für die Nutzung erneuerbarer Energie, für die Energiewende, für eine Wende im Denken hin zu mehr Achtsamkeit und „Nachhaltigkeit“. Denn die Frage heißt nicht mehr: wieviel kann ich HABEN, sondern wieviel will ich NUTZEN?

Die Schülerinnen und Schüler  haben sich gemeinsam mit einem Künstler eine wunderschöne Symbolik mit Aphorismen und Sprüchen ausgedacht: Von einem Buch aus Deutschland  flattern Seiten wie über eine Brücke in ein anderes Buch in Polen, gespickt mit zweisprachigen Weisheiten:
zum Beispiel: Bücher verbinden Europa (Książki łączą Europę). 

In diesem Fall Bücher verbinden Deutschland und Polen, zwei wichtige Länder in Europa. Ab heute gibt es einen Grund mehr von Berlin nach Stettin zu fahren - ich verschenke Bücher und bringe sie in die Schlosssbibliothek - und nehme vielleicht ein Buch mit nach Hause. Wer weiß.

Wie sagte Goethe: Ich ging im Walde So vor mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn. So ist es mit der BücherboXX auch. Suchet nicht, sondern findet. Manch unerwartete Schätze wurden schon gefunden. 

Und dann spricht uns schon ein weiterer Satz  auf der Sprüche-Brücke an: Du öffnest die Bücher und sie öffnen dich. (Otwórz książkę, a ona otworzy ciebie). Von Dschingis Aitmatov. Die BücherboXX ist immer geöffnet und die Bücher sind immer geöffnet. Sie sind geöffnet für die Gedanken des Anderen und für das, was uns zunächst fremd erscheinen mag – für fremde Menschen. Auch den Berliner Schülern waren die polnischen Schüler zunächst fremd mit ihrer schier unaussprechlichen Sprache. Aber das legte sich nach den ersten Dzien dobry und smacz nego.

Zur Offenheit und zu den offenen Grenzen in Europa passt auch der Satz von Augustinus, den sich die Schüler ausgesucht haben: Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon (Augustinus). Wer aber mag nur die erste Seite eines Buches lesen? Świat jest książką i ci, którzy nie podróżują, przeczytają tylko jedną stronę.

Wie ist die Welt entstanden, wie entsteht ein Buch? Mit dem ersten Satz oder dem ersten Wort.

Am Anfang war das Wort. (Joh. 1)  Na początku było słowo. Am Anfang war die Idee, die Vision, die Tat.
Und so war es auch bei dem Projekt der BücherboXX. Die Idee stand am Anfang, etwas Neues, etwas Nachhaltiges zu schaffen – die Vision von einer für alle und immer geöffneten Bibliothek.

Aber: eine gute Idee muss auch in die Tat umgesetzt werden und dann sind wir schon bei einem der Schlüsselwörter des Projekts und eigentlich der gesamten Berufsausbildung. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! Dobrem jest to, co dobrego uczynisz. Er stammt von einem der beliebtesten Kinderbuch-Autoren, aber auch von einem, der zusehen musste, wie auch seine Bücher am 10. Mai 1933 von den Nazis verbrannt wurden. Die Einweihung der BiblioboXX im Schloss von Stettin am 21. 4. 2017 wurde begleitet von einer Erich-Kästner-Lesung, die Mitarbeiter Universtität von Stettin durchgeführt hatten.

Dank zu sagen ist allen, die zum Gelingen der erstmaligen Aufstellung der BiblioboXX in Polen beteiligt waren und sich so großartig engagiert hatten, allen voran Agnieszka Raducka von der Schule Nr. 2. Sie hat die Schüler und Schülerinnen zum Lesen motiviert, das Konzept überall in den Medien bekannt gemacht, den Transport zum Schloss organisiert und jeden Tage ihre Facebook-Seite aktualisiert.  Ein großes Kompliment an Agnieszka Raducka. 

https://www.facebook.com/agnieszka.raducka/posts/10212748017765026